Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Im März letzten Jahres hatte der Kultusminister extra zu einer Informationsveranstaltung ins Neue Schloss eingeladen, um die Studie des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen von Herrn Professor Pant vorstellen zu lassen. Es ging um eine Studie zu den mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen am Ende der Sekundarstufe I. Die Ergebnisse waren nicht sehr schmeichelhaft für Baden-Württemberg: Wir lagen im Mittelfeld.

Allerdings muss man beachten, dass diese Studie zutage gebracht hat, dass die Gymnasien vergleichsweise gut abgeschnitten haben. In den Gymnasien in Baden-Württemberg gelingt es offensichtlich recht gut, den Schülern die Naturwissenschaften und die Mathematik zu vermitteln. In Mathematik werden durchaus Spitzenergebnisse erzielt, und auch in den Naturwissenschaften wurden gute Ergebnisse verzeichnet. Eine Begründung des Herrn Professor Pant war, dass die Schülerinnen und Schüler in den Gymnasien in der Regel von Fachlehrern unterrichtet werden. Dort werden nur 5 % des Unterrichts fachfremd erteilt. Wir haben gerade andere Zahlen vom Kollegen Dr. Kern gehört; diese bezogen sich aber auf andere Schularten. Dort werden tatsächlich teilweise bis zu 20 % des Unterrichts von Lehrkräften erteilt, die für das entsprechende Fach keine Lehrbefähigung haben.

Ganz grundsätzlich möchte ich erwähnen, dass der Direktor des IQB hervorgehoben hat, dass es nicht so sehr auf die Schulstruktur ankommt; vielmehr wird guter Unterricht von guten Lehrern erteilt. Es hängt von der Qualifikation der Lehrkraft ab, wie die Leistungsergebnisse der Schülerinnen und Schüler gemessen werden können. Er hat als Beweis auch die ostdeutschen Bundesländer herangezogen. Dort wird im Grunde jeglicher Fachunterricht von einem Fachlehrer erteilt, und diese Länder haben überproportional gute Resultate erzielt, einfach weil vor allem Mathematik und Naturwissenschaften von Fachlehrern erteilt werden. Herr Professor Pant war auch der Meinung, dass in diesen ostdeutschen Ländern offensichtlich eine höhere Wertschätzung dieser Fächer herrscht und man dort noch von der traditionellen Ausbildung der Lehrer sowie von einem stringenten Unterricht profitiert. Also doch recht interessante Ergebnisse. Was aber macht der Kultusminister? Er schafft einen neuen Fächerverbund in den Gymnasien und schafft das Fach Biologie ab.

(Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD: Wie bitte?)

Herr Kollege Dr. Kern hat dies eben ganz gut beschrieben. Es geht hierbei um die Klassen 5 und 6 am Gymnasium. In den anderen Schulklassen schafft man gerade Fächerverbünde ab, die man im Bildungsplan von 2004 vorgefunden hat. 

(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Ja, so ist es!)

Wir haben das sauber evaluiert. Man kommt offensichtlich zu dem Schluss, dass es nicht sehr zielführend ist, mit diesen Fächerverbünden weiterzuarbeiten. Aber, wie gesagt, am Gymnasium wird ein neuer Fächerverbund auf Kosten des eigenständigen Faches Biologie geschaffen. Wir wundern uns und haben den Eindruck, dass es hier nur vordergründig um eine Verbesserung des Unterrichts geht. Vielmehr geht es schon wieder um Schulstrukturen, wie eben bereits beschrieben. Es geht im Grunde darum, die Durchlässigkeit zwischen den Schularten zu erhöhen. Man will es Schülerinnen und Schülern von den Real- und den Gemeinschaftsschulen erleichtern, auf das Gymnasium zu wechseln. Auf diesem ideologischen Altar wird das eigenständige Fach Biologie geopfert. Einwände von Fachleuten sind nicht berücksichtigt worden; sie wurden zum Teil bereits zitiert. Ein Argument möchte ich noch anführen. Die „Wirtschaftswoche“ hat sich, wie wir das getan haben, ebenfalls verwundert die Augen gerieben und schrieb am 18. Februar 2014 – die Autoren nehmen an, dass „Gender-Ideologen“ am Werk sind –

(Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD: Jetzt wird es obskur!)

Im Stuttgarter Kultusministerium wird offensichtlich der Versuch unternommen, an den Schulen die Voraussetzungen zu schaffen, um einer Ideologie mit einem bestimmten Menschenbild den Weg zu ebnen.

Ich zitiere weiter:

... die Gender-Theorie vom sozial konstruierten Geschlecht passt hinten und vorne nicht zu den Erkenntnissen der Biologie.

(Heiterkeit bei der CDU – Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Bravo! – Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD: Frau Kurtz, das ist doch selbst für Sie zu heftig!)

Die Biologie ist also der Ideologie massiv im Weg und muss abgeschafft werden.

(Beifall bei der CDU)

Die CDU nimmt den Vorwurf von Herrn Professor Messerschmid vom Institut für Raumfahrtsysteme besonders ernst, der, glaube ich, sehr seriös und ernst zu nehmen ist.

(Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD: Jeden Käse muss man nicht nachreden!)

– Ich zitiere Professor Messerschmid; das ist kein Käse. – Er macht sich Sorgen, dass die Astronomie im neuen Bildungsplan völlig unter den Tisch fallen soll, und hat es sehr geschätzt, dass sie 2004 darin aufgenommen wurde. 

Diese Reform scheint uns ein weiteres Beispiel zu sein, wie fahrlässig in unseren Schulen gewütet wird. Da wird viel Porzellan zerschlagen; bewährter Unterricht wird umstrukturiert, fachfremdes Unterrichten ist mit diesem neuen Fächerverbund vorprogrammiert, schwächere Schülerleistungen werden in Kauf genommen – und das alles, um mehr Schülerinnen und Schüler ans Gymnasium zu locken und zum Abitur zu führen. Denn Sie haben, wie ich heute Morgen bereits sagte, diese völlig überzogene Akademisierung im Kopf. Sie wollen 50 % der jungen Leute in eine akademische Ausbildung bringen. Das geht natürlich nur mit entsprechend hohen Zahlen an Hochschulzugangsberechtigungen.

Wir halten das für den absolut falschen Weg. Sie merken ja schon: Es fehlen viele gute junge Leute in der dualen Ausbildung. Außerdem ist diese „Schmalspurgymnasialausbildung“ nicht das, was bei den Hochschulen gut ankommt: Wir haben zu viele Studienabbrecher. Insofern ist das, was Sie hier vorhaben, doppelt und dreifach gefährlich. Wir lehnen dies ganz entschieden ab.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU und der FDP/DVP)

 

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