Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und
Kollegen!

Sie erinnern sich sicherlich alle hier im Haus: Die Landesregierung hatte eine Expertenkommission zur Lehrerbildung unter dem Vorsitz von Frau Volkholz aus Berlin eingerichtet. Diese Dame hat uns empfohlen, in Baden-Württemberg den Einheitslehrer einzuführen. Dieses fatale Vorhaben ist jetzt zum Glück vom Tisch. Aber wir, die CDU, sind immer noch in Sorge darüber, was die Landesregierung bei der Lehrerausbildung eigentlich vorhat. Denn es scheint uns weiterhin ein ziemlich unausgegorenes Stückwerk zu sein, was bisher bekannt wurde. Noch immer scheint es bei der Lehrerausbildung hauptsächlich um die Umsetzung der Gemeinschaftsschule zu gehen.

(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Jawohl!)

Lehrerinnen und Lehrer sollen zu Lernbegleitern werden; das haben wir schon häufig gehört. Wir sind froh, dass es wohl weiterhin ein eigenständiges Gymnasiallehramt geben soll und auch das Sonderschullehramt erhalten bleiben soll. Das entspricht zwei ganz zentralen Forderungen, die die CDU-Fraktion gestellt hatte.

(Abg. Daniel Andreas Lede Abal GRÜNE: Trotzdem haben wir es gemacht!)

Aber das ist schon fast alles, was wir dazu wissen. Wir wissen noch, dass das Lehramtsstudium auf das System mit Bachelor und Master umgestellt werden soll.

(Zuruf des Abg. Dr. Kai Schmidt-Eisenlohr GRÜNE)

Es wird in diesem Bereich also kein Erstes Staatsexamen mehr geben. Aber mehr scheint die Regierung auch nicht zu wissen.

Meine Damen und Herren, die jungen Menschen, die Lehrerinnen bzw. Lehrer werden wollen, werden derzeit völlig im Unklaren darüber gelassen, wie sich diese Ausbildung zukünftig gestalten soll. Wer demnächst ein Studium in diesem Bereich aufnimmt, weil er Kinder unterrichten will, weiß nicht genau, wie dieses Studium ablaufen soll. 

(Abg. Dr. Kai Schmidt-Eisenlohr GRÜNE: Was?)

So werden nach den Schülerinnen und Schülern nun auch die Studierenden in diesem Land zu Versuchskaninchen.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU und der FDP/DVP – Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Jawohl! Bravo!)

Sie müssen ein Studium aufnehmen, ohne genau zu wissen, wie sich das abspielt.

(Abg. Dr. Kai Schmidt-Eisenlohr GRÜNE: Das stimmt schlichtweg nicht! – Abg. Beate Böhlen GRÜNE: Sie kommen nicht in den Himmel! – Zuruf des Abg. Daniel Andreas Lede Abal GRÜNE)

Die Regierung will dann nach und nach einmal schauen, was sie wie verändern will. Der Ministerpräsident selbst hat bei der Pressekonferenz am 3.Dezember, bei der er die Eckpunkte zur Lehrerbildung vorgestellt hat, gesagt: Der Prozess soll jetzt erst einmal anlaufen. Wir arbeiten alles nacheinander ab, aber nicht parallel. Jetzt kommt erst einmal die Struktur. – Also wieder einmal geht es Grün-Rot um Struktur

(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: So ist es!)

und nicht um Inhalte. 

(Beifall bei Abgeordneten der CDU und der FDP/DVP)

Das ist wirklich fatal.

Es soll einen sogenannten polyvalenten Bachelor geben, und erst im Masterstudium geht es darum, sich wirklich auf den eigentlichen Beruf als Lehrer vorzubereiten. Aber es ist noch völlig unklar, wie der Übergang vom Bachelor auf den Master im Einzelnen gestaltet werden soll. Fehlanzeige – keine Ahnung. Gibt es da ein Nadelöhr, einen Flaschenhals? Wer darf eigentlich weiterstudieren? 

Wie gelingt es uns – da waren wir uns alle einmal einig –, die Studierenden schon ganz früh und noch besser auf ihren Beruf vorzubereiten? Wie bekommen wir mehr Didaktik, Pädagogik und Bildungswissenschaft in das Studium, und zwar von Anfang an? Auch dazu gibt es keine Aussagen. 

Über die Frage: „Wie gewinnt man die Besten eines Jahrgangs für diesen Beruf?“ machen Sie sich anscheinend gar keine Gedanken. Die Regierung hat extra eine Reise nach Finnland unternommen, um sich dort zu informieren. Sie wissen: Dort gibt es einen sehr aufwendigen Auswahlprozess zu Beginn des Studiums, und nur die Besten werden Lehrerinnen und Lehrer. Bei uns macht man sich noch nicht einmal Gedanken darüber, so etwas einmal auszuprobieren. 

Unklar bleibt auch völlig – neben dem Übergang vom Bachelor zum Master –, wie der Übergang vom Studium zum Referendariat gestaltet werden soll. Es gibt dann kein Staatsexamen mehr. Über die Dauer des Referendariats macht man sich ebenfalls keine Gedanken, ebenso wenig darüber, ob die 18 Monate dann noch reichen, 

(Abg. Daniel Andreas Lede Abal GRÜNE: Die Frage ist doch, ob die heutige reicht!)

all das im Referendariat unterzubringen, was man an Didaktik, Pädagogik und Bildungswissenschaft im Studium nicht machen kann. Auch das ist völlig unklar. 

Die Referendare müssen dann verschiedene Schularten durchlaufen, damit sie auf die Gemeinschaftsschule vorbereitet sind. Es wird keine Aussage darüber gemacht, wo das stattfinden soll und wie lange ein Referendar jeweils an einer Schule bleibt. Das sind wirklich ernsthafte Fragen, aber Sie lassen uns und auch die Öffentlichkeit dabei völlig im Dunkeln. Das Einzige, was Sie noch verraten haben, betrifft wieder die Strukturen: Die Studierenden sowohl von den Pädagogischen Hochschulen als auch von den Universitäten sollen im Masterstudium zusammengefasst werden, sollen gemeinsam studieren – wie auch immer. 

(Abg. Beate Böhlen GRÜNE: Gemeinsam ist doch nicht schlecht!)

Da ist die Rede von Schools of Education oder von anderen Formen der Kooperation. Aber wie sich das genau gestalten soll – keine Ahnung. Wer soll das entwickeln? Und eine weitere sehr wichtige Frage: Wer soll das bezahlen? Sie schauen immer auf den Bund und erwarten Hilfe aus einem bundesweiten Programm „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“. Das ist sicherlich ein guter Ansatz; aber das sind keine dauerhaften Mittel, mit denen wir rechnen können. 

Ich sage es ganz deutlich: Wir von der CDU halten es grundsätzlich für eine gute Idee, das, was an Kompetenz und Profil an den Pädagogischen Hochschulen und an den Universitäten vorhanden ist, zu bündeln, um es allen Studierenden zugutekommen zu lassen. Denn wir brauchen einerseits eine wirklich fundierte fachwissenschaftliche Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer, aber wir brauchen andererseits auch das andere, nämlich das, was insbesondere an den Pädagogischen Hochschulen vorgehalten wird.

Schon heute gibt es Kooperationen zwischen den beiden Hochschultypen. Wenn man jedoch genau hinschaut, sind das meist Hochschulen, die in unmittelbarer Nachbarschaft liegen. Da ist es kein Problem, dass entweder die Studierenden oder die Lehrenden pendeln.

Das gilt aber nicht für alle Hochschulen im Land. Wir haben eine breit gefächerte Hochschullandschaft, und wir sind sehr stolz darauf, dass wir auch Hochschulen im ländlichen Raum und abseits von Ballungsgebieten haben. Dort sind solche Kooperationen jedoch nicht möglich.

Man fragt sich schon: Wie stellen Sie sich das im gesamten Land vor? Haben wir dann Lehrerausbildung mit unterschiedlichem Niveau? Haben wir dann in Baden-Württemberg eine Lehrerausbildung erster und zweiter Klasse? Soll es vielleicht an einigen Standorten nur noch möglich sein, das Bachelorstudium für das Lehramt zu absolvieren? All das ist völlig unklar, und Fragen dazu werden in der Stellungnahme zu unserem jüngsten Antrag nicht beantwortet. 

(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Die wissen es selbst nicht! – Zuruf des Abg. Daniel Andreas Lede Abal GRÜNE)

Die CDU war immer dagegen, dass es einen Flaschenhals gibt. Wir haben immer großen Wert darauf gelegt, dass das Lehramtsstudium ein einheitliches ist und auch das Referendariat mit umfasst. Aber jetzt wird es wohl diesen Flaschenhals, dieses Nadelöhr, an zwei Stellen geben. Das halten wir nicht für klug.

Sie entlassen die Lehramtsstudenten möglicherweise mit einem Bachelorabschluss auf einen Arbeitsmarkt, den es noch gar nicht gibt, oder nehmen in Kauf, dass sie andere Kräfte aus ihrem bisherigen Wirkungsfeld verdrängen.

(Zuruf des Abg. Dr. Kai Schmidt-Eisenlohr GRÜNE)

Bisher finden wir das Konzept ganz und gar nicht rund und schlüssig. Frau Ministerin, Herr Minister, da liegt einfach sehr vieles im Vagen und ist völlig unausgegoren. Man hat den Eindruck, dass der Kultusminister sich ziemlich zurückhält. Bisher ist alles nur Sache der Wissenschaftsministerin. Dafür habe ich kein Verständnis. 

(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Der hat andere Sorgen!)

Ich finde, Sie haben auch für Ihre zukünftigen Beamten eine Art Fürsorgepflicht. Sie haben gestern bei der Vorstellung des IQB-Ländervergleichs selbst gesagt und auch bestätigt bekommen, dass der Lehrer für den Unterricht elementar wichtig ist. Es kommt also auf den Lehrer an. Denn nur der Lehrer bzw. die Lehrerin machen den guten Unterricht, den wir für die entsprechenden Ergebnisse brauchen. Aber Ihnen fällt nichts anderes ein, als sich nur zu Strukturfragen zu äußern. Der Inhalt bleibt wieder völlig außen vor.

Noch einmal: Wir sind froh, dass Sie sich vom Einheitslehrer verabschiedet haben und es das eigenständige Gymnasiallehramt 

(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Das ist noch nicht sicher!)

und das Sonderschullehramt weiterhin geben wird. Da haben Sie klug entschieden und sind unseren Vorschlägen gefolgt. Auch mit der grundsätzlichen Umstellung auf Bachelor und Master können wir leben. Sie sind aber wieder auf halber Strecke stecken geblieben. Auf jeden Fall lassen Sie die Öffentlichkeit völlig im Unklaren über Ihre Vorhaben. Vielleicht erfahren wir heute mehr. Das Thema steht auf der Tagesordnung, damit Sie die Gelegenheit haben, die staunende Öffentlichkeit über Ihre Vorhaben zu informieren.

Ansonsten machen wir uns wirklich große Sorgen über die Attraktivität des Lehrerberufs – und das in Zeiten, in denen sich alle Berufszweige Sorgen machen müssen, wie sie ihren Nachwuchs rekrutieren. Der Lehrerberuf muss attraktiv bleiben. Denn wir brauchen gute Lehrer für guten Unterricht für bestens qualifizierte Schülerinnen und Schüler aus Baden-Württemberg.

Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU und Abgeordneten der FDP/DVP)

 

 

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