17.10.2015: Eröffnung der Artifex-Kunstausstellung in Weissach

Sehr geehrte Frau Strauß, Herr Landrat, lieber Herr Daniel Töpfer,

Ich freue mich sehr, dass Sie mich heute zur Eröffnung Ihrer berühmten Artifex Kunstausstellung eingeladen haben. Die Mitglieder der Artifex haben sich in erster Linie auf die Fahnen geschrieben, für Künstler da zu sein und sie tatkräftig zu unterstützen, zu beraten und es ihnen zu ermöglichen, ihre Werke zu präsentieren. Das alleine ist schon ein ehrenwertes Vorhaben. Denn Kunst wird in vielen Sparten alleine geschaffen. Der Künstler arbeitet im Atelier, in der Werkstatt oder auch in der Natur meistens für sich allein.

Ein Kunstwerk will aber betrachtet werden, es will auf andere wirken und mit anderen in einen Dialog treten. Außerdem: Künstler wollen sich mit anderen austauschen. Sie brauchen Anregungen, Inspiration von außen und auch den Vergleich mit anderen. Und häufig sollen Kunstwerke verkauft werden. Auch dazu braucht man Öffentlichkeit, man braucht einen Markt, d.h. Kunstwerke müssen aus dem Atelier, aus der Werkstatt hinausgetragen werden. Möglichst in solch ein schönes Umfeld wie hier in der Strudelbachhalle. Auf dem Kunstmarkt sollen sich dann möglichst kundige Menschen umschauen, die die Werke zu schätzen wissen, die sie verstehen können und die Geld haben und die-ses bereit sind, für Kunst auszugeben.

Das heißt aber auch: Ein Kunstwerk muss als Wertgegenstand anerkannt sein. Dafür muss ein Bewusstsein vorhanden sein. Kunst darf nicht als überflüssig, als unnötiger Luxus betrachtet werden.

Wir alle wissen „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“. Aber natürlich ist es besser, man ist satt und die Grundbedürfnisse sind gedeckt. Dann hat man den Kopf frei, um sich mit Dingen zu beschäftigen, die über das Alltägliche hinausweisen. In der Regel ist das in unserer Gesellschaft der Fall. In Baden-Württemberg und vielleicht in besonderem Maße hier in Weissach geht es uns materiell gut. Wir dürfen uns auch den schönen Dingen im Leben widmen und müssen unsere Zeit nicht allein dem Broterwerb widmen. Kunstwerke bereichern unser Leben.

Deswegen sind wir froh und dankbar, dass es Künstler gibt, die uns etwas anbieten, was wir selber nie schaffen könnten und das über das hinaus weist, was uns im Alltag beschäftigt. Daher danke ich allen Künstlerinnen und Künstlern, dass sie sich hartnäckig ihrer Kunst verschreiben, dass Sie sich nicht abhalten lassen, ihre Ideen umzusetzen – häufig neben einem Beruf, sozusagen als Berufung. Und ich danke dem Artifex dafür, dass er diesen wunderbaren Rahmen schafft und Künstler und Betrachter, Künstler und Käufer zusammenführt.

Was mir aber besonders gut gefällt, ist, dass Sie sich in Ihrem Verein nicht nur der Präsentation von Kunst widmen und dafür einen Markt eröffnen. Sie leisten auch ganz viel für die kulturelle Bildung. Sie arbeiten mit Schülerinnen und Schülern zusammen, Sie gehen in soziale Einrichtungen und sie machen mit bei Projekten wie der großartigen Aufführung von „Orpheus und Eurydike“, der Oper, die letztes Jahr in der Leonberger Stadthalle aufgeführt wurde. Sie war ein Gemeinschaftsprojekt von verschiedenen Chören und Musikern und 5 Mitglieder von Artifex haben mit Jugendlichen zusammen die Kulissen gestaltet. Ich habe diese Aufführung gesehen und war wirklich sehr begeistert von diesem beeindruckenden Unternehmen, das ja in erster Linie ehrenamtlich gestemmt wurde. Mit solch einem Gemeinschaftsprojekt, in dem viele Kunstrichtungen und verschiedene Kompetenzen gefordert sind, kann man sehr, sehr viel für die kulturelle Bildung leisten.

Darüber hinaus kombinieren sie Kunst auch mit sozialem Engagement. Sie unterstützen aus den Erlösen Ihrer Verkäufe das Kinderhospiz und die beiden Alten- und Pflegeheime in Weissach. Dieses ganzheitliche Denken und Wirken für die Gesellschaft gefällt mir ausgesprochen gut und dafür möchte ich Ihnen meine große Anerkennung aussprechen.

Ich bin aber auch davon überzeugt: Kunst hat ihren eigenen Wert. Sie darf nicht instrumentalisiert werden. Ich halte es für ausgesprochen wichtig, dass die Kunst eine verfassungsrechtlich garantierte Freiheit hat. Und die Förderung des kulturellen Lebens ist zu Recht als Staatsziel in unserer Landesverfassung verankert. Die Politik darf keinen Einfluss auf die Inhalte von Kunst und Kultur nehmen. Daher darf unser Anliegen, die kulturelle Bildung zu fördern, auch nicht so weit gehen, dass wir von jedem Kulturschaffenden verlangen, dass er sich auch der kulturellen Bildung widmet. Und es darf nicht sein, dass der Staat nur Geld für Kunst zur Verfügung stellt, wenn er dafür gleichzeitig eine Leistung im Bereich der kulturellen Bildung erhält. Wir freuen uns über jedes Projekt der kulturellen Bildung – das habe ich ja eben beschrieben – aber wenn Künstlerinnen und Künstler sich ausschließlich ihre Kunst widmen wollen, ist das auch in Ordnung und wir aus der Politik haben die Aufgabe, das zu respektieren, zu schätzen und zu fördern.

Insgesamt glaube ich, dass wir in Baden-Württemberg ein gutes Klima für Kunst und Kultur haben. Seit Ministerpräsident Lothar Späth fühlen sich Künstler in Baden-Württemberg sehr wert geschätzt, unterstützt und gefördert. Denken Sie an die Kunststiftung Baden-Württemberg, die sich besonders jungen Künstlern widmet, denken Sie an die Akademie Solitude, die international aufgestellt ist. Ich denke aber auch an die Akademie Schloss Rotenfels, die tolle Möglichkeiten für Jugendliche bietet und für die Fortbildung im künstlerischen Bereich für Lehrerinnen und Lehrer.

Aber der Staat schafft dieses Klima nicht allein. Kunstvereine wie hier Ihr Artifex sind ganz wertvolle Initiativen aus der Bürgerschaft heraus. Danke, dass Sie solch einen wertvollen Beitrag leisten für Kunstschaffende, für Menschen, die hilfsbedürftig sind und damit für die Gemeinde Weissach und weit darüber hinaus.

© 2012 - Sabine Kurtz - CDU BW 2017