11|2016 Blamables Ergebnis bei Bildungsstudie – Verbesserung des Unterrichts dringend erforderlich

Der neue IQB-Bildungstrend hat für Baden-Württemberg katastrophale und äußerst beunruhigende Ergebnisse erbracht. Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg in den getesteten Fächern lagen über alle Schularten hinweg weit unter dem Bundesschnitt. Die IQB-Studie hat bundesweit die Kompetenzen in den Fächern Deutsch und Englisch in der Sekundarstufe I verglichen. Insgesamt nahmen mehr als 37.000 Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse an rd. 1.700 Schulen aus allen Ländern teil. Geprüft wurde, inwieweit die Schülerinnen und Schüler die von der Kultusministerkonferenz vereinbarten Bildungsstandards in Deutsch und Englisch erreichen.

Ca. 180 Schulen aus BW waren einbezogen; darunter Haupt- und Werkrealschulen, Realschulen und Gymnasien. In Deutsch rutschte Baden-Württemberg im Kompetenzbereich Lesen von Platz drei auf Platz 13, beim Zuhören von Platz zwei auf Platz 14 und bei der Orthografie von Rang zwei auf Rang zehn. Im Fach Englisch hat sich Baden-Württemberg zwar verbessert, der Zuwachs ist im Vergleich mit den anderen Ländern aber am geringsten. Bei der letzten IQB-Studie im Jahr 2009 gehörte das Land noch zur Spitzengruppe. In nahezu allen getesteten Bereichen erreichte Baden-Württemberg damals direkt hinter Bayern den zweiten Platz. Bereits im Frühjahr 2016 hatte die Lernstandsuntersuchung VERA 8, bei der alle Achtklässler in Baden-Württemberg auf ihre Leistungen im Lesen, im Rechtschreiben, in der Mathematik und in der Fremdsprache getestet wurden, eklatante Schwächen aufgedeckt. Die dramatischen Ergebnisse der Untersuchungen zeigen deutlich: Wir haben ein Qualitätsproblem an unseren Schulen!

Auf die Lehrer kommt es an

Die Ursachen für die schlechten Ergebnisse sind vielfältig. Sie müssen sehr sorgfältig untersucht werden. Mit Sicherheit müssen die Maßnahmen in mehreren Bereichen ansetzen. In der Vergangenheit wurde in Baden-Württemberg hauptsächlich über die Strukturen des Bildungssystems gestritten. Unsere ehemals gut funktionierende Schullandschaft wurde umgewälzt. Dies hat zu Verunsicherungen bei Schulleitungen, Lehrern, Eltern und Schülern geführt. Gleichzeitig wurden Qualität und Leistungsorientierung an den Schulen vernachlässigt. Bereits vor der Landtagswahl hat die CDU mehr Stabilität, Verlässlichkeit und Planbarkeit für die Schulen in Baden-Württemberg gefordert. Eine von mir geleitete Arbeitsgruppe hatte sich der Lehrerbildung gewidmet, die Einführung von „Einheitslehrern“ und „Lernbegleitern“ bekämpft und betont, dass gute Lehrer die beste Garantie für guten Unterricht sind. Eine hohe Kompetenz in ihrem jeweiligen Fachgebiet stattet Lehrerinnen und  Lehrer mit der notwendigen Autorität aus, die für den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler zielführend ist. Deshalb müssen wir auch die Lehramtsausbildung, die von Grünen und SPD zum Wintersemester 2015/16 reformiert wurde, nochmals kritisch unter die Lupe nehmen.

Erste Schritte für eine bessere Bildungspolitik

Um die Unterrichtsqualität zu verbessern, hat das von Ministerin Dr. Susanne Eisenmann seit Mai 2016 geführte Kultusministerium bereits wichtige Maßnahmen ergriffen. So werden an den Grundschulen durch zwei zusätzliche Unterrichtsstunden die Grundfertigkeiten Lesen, Schreiben, Rechnen gestärkt. Dies ist von enormer Bedeutung, da in den ersten vier Schuljahren wichtige Grundlagen für späteren Lernerfolg gelegt werden. Die Realschulen erhalten mehr Lehrerstunden, um zusätzliche Förder- und Unterstützungsangebote machen zu können. Damit wird diese wichtige Schulart wieder deutlich aufgewertet. Die Grundschulempfehlung muss künftig wieder verpflichtend bei der Anmeldung an der weiterführenden Schule vorgelegt werden. Im Verbund mit der Lernstandserhebung in Klasse 5 ermöglicht dies der aufnehmenden Schule, gleich zu Anfang eine gezielte Förderung der Schülerinnen und Schüler anzubieten. An den Gemeinschaftsschulen darf ab Klasse 8 eine sog. äußere Leistungsdifferenzierung vorgenommen werden. Das bisherige pädagogische Konzept dieser neuen Schulart kann, wenn die Schulen dies wünschen, verändert werden. Auch die Gymnasien haben für Vertiefungsstunden in den Pflichtabiturfächern Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen zusätzliche Deputate bekommen. Weitere Ganztagsschulen können bewilligt werden. Die CDU setzt sich jedoch auch dafür ein, dass flexible kommunale Betreuungsangebote wie Horte, Kernzeitbetreuung und verlässliche Grundschule auch künftig durch das Land mitfinanziert werden, damit die Eltern Wahlfreiheit hinsichtlich der Betreuung ihrer Kinder erhalten und nicht zur Ganztagsschule verpflichtet werden.

Effizienterer Einsatz von Lehrerstellen

Ihre erste große Herausforderung hatte die neue Kultusministerin bei der Aufstellung des Haushalts 2017 zu bewältigen. Im ursprünglichen Haushaltsplanentwurf  des Finanzministeriums waren zu wenig Stellen für den Bildungsbereich vorgesehen. Dr. Susanne Eisenmann sah deshalb den Ausbau der Inklusion, die Genehmigung weiterer Ganztagsschulen sowie der Einführung von Informatik ab Klasse 7 bedroht. Aufgrund ihres beherzten Einsatzes konnte letzten Endes ein Kompromiss zwischen der Kultusministerin und der Finanzministerin erzielt werden. Gleichzeitig wurde vereinbart,  den Rechnungshof zu beauftragen,  die Steuerung und den Einsatz der Ressourcen im Schulsystem unter die Lupe zu nehmen. Zwar ist die rein rechnerische Schüler-Lehrer-Relation in Baden-Württemberg mit 14:1 bundesweit eine der besten. Wichtig ist aber, dass die Lehrkräfte auch dort eingesetzt werden, wo sie tatsächlich gebraucht werden, nämlich im Unterricht.

CDU-Landtagsfraktion kämpft für erstklassige Schulen

Für die CDU-Landtagsfraktion wie für unsere Kultusministerin ist klar: Die Qualität muss an den Schulen an erster Stelle stehen. Wir wollen künftig eine deutlichere Leistungsorientierung in unseren Schulen sehen. Um wieder an die Zeiten der CDU-geführten Landesregierungen anzuknüpfen, als Baden-Württemberg bei schulischen Leistungsvergleichen regelmäßig an der Spitze lag, werden wir auf Basis der aktuellen Studien wohlüberlegt weitere Weichen stellen.

© 2012 - Sabine Kurtz - CDU BW 2017